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Kipplauf-Büchse der Sonderklasse
Herbert Scheiring in Ferlach hat sich auf hochpräzise Kipplaufbüchsen in rasanten Magnumkalibern spezialisiert.
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 | "Kippblock-Stutzen" von Scheiring in .300 Pegasus mit Handspanner-Schloss. Die langen Seitenplatten dienen der Gravur. |
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Von Roland Zeitler Herbert Scheiring nennt seine Waffen wegen des Kippblock-Verschlusses nicht ganz zutreffend „Kippblock-Stutzen“. Kurz wie ein Stutzen sind sie gewiss nicht, doch superpräzise wie eine Matchbüchse.
Dass dies kein Zufall ist, beweisen verschiedene Waffen, die ich geschossen habe und die sich in Besitz von Freunden befinden. Dies waren drei Waffen im Kaliber .300 Pegasus, eine im Kaliber 7mm STW und eine im Kaliber 8x68 S. Alle hatten die exzellente Verarbeitung und die hervorragende Präzision gemeinsam.
Wer sich schon mal mit Kalibern wie .300 Pegasus oder Kipplauf-Büchsen befasst hat, weiß, dass hohe Schusspräzision kein Selbstverständnis ist. Selbst aus guten Repetierern hatte ich mit der .300 Pegasus eine schlechte oder mittelmäßige Präzision erreicht, und viele Kipplauf-Büchsen, die ich in Händen hatte, schossen nicht dauerhaft konstant gut. Es sei hier angemerkt, dass Scheiring zu seinen Büchsen handgeladene Patronen liefert, die seinen Präzisionsstandards entsprechen.Die Grundlage für diesen Artikel ist ein Scheiring „Kippblock-Stutzen“ mit Titan-Mündungsbremse im Kaliber .300 Pegasus. Es handelt sich um eine klassische Kipplaufbüchse mit Halbschäftung beim Vorderschaft. Der Schaft besteht aus edlem Wurzelmaserholz, das sehr glatt geschliffen und bestens geölt wurde. Die „flammende“ Maserung des exzellenten Holzes kommt sehr gut zur Geltung.
Der Hinterschaft ohne Backe hat einen leichten Schweinsrücken sowie einen Pistolengriff in Pfeifenkopfform. Er schließt mit einer Old-English-Gummischaftkappe ab. Ein angedeuteter Schal mit Falz nach dem Pistolengriff ist ein gefälliges „Feature“ für den Übergang. Der mittels Patentschnäpper befestigte schlanke Vorderschaft ermöglicht einen satten Griff. Er läuft in eine schöne Tropfnase aus.
Eine feine Fischhaut wurde an Vorderschaft und Pistolengriff fehlerlos angeschnitten. Der Schaft ermöglichte mir einen festen Griff, der keine Wünsche offen ließ. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, das Scheiring natürlich Kundenwünsche beim Bau seiner Custombüchse berücksichtigt.
Handspanner-Schloss Das Herz der Waffe bildet ein Handspanner-Schloss mit langen Seitenplatten zur Gravur. Gespannt wird das Schloss wie üblich mit einem Spannschieber auf der Scheibe. Zur Entriegelung muss ein Knopf gerückt werden. Der Vorgang ist sehr geräuscharm und keinesfalls störend. Das Schloss weist Merkmale eines Anson und Deeley-Schlosses (im Kasten) mit obenliegenden Stangen auf. So macht man sich günstige Hebelwirkungen zunutze. Die Rasten können sehr fein sowie sicher einreguliert werden, und es ergeben sich günstige Abdrücke.
Die Kraft für das Schlagstück kommt von einer obenliegenden Schraubenfeder, die auf einer Stange sitzt. Das bringt hohe Zuverlässigkeit. Selbst bei einem Federbruch könnte weitergeschossen werden. Das Schloss zeichnet sich ferner durch einen Zündstiftschlag im geraden Winkel aus. Der Schlagstift ist federbelastet und springt nach der Patronenzündung wieder zurück, um ein unproblematisches Öffnen der Waffe zu gewährleisten. Der Abzug hat einen fein einregulierbaren Stecher. Als Direktabzug benutzt, hat er mit 1,7 Kilogramm (17 N) einen zu hohen Widerstand. Eingestochen sind es optimale 50 Gramm (0,5 N).
Die 5,2 Zentimeter hohe, 3,4 Zentimeter breite und 9,2 Zentimeter lange Basküle wurde recht stark gehalten. Zur Versteifung erhielt sie zusätzlich Seitenbanden-Verstärkung. Das massive Abzugsblech wird eingesetzt und verkeilt sich rückwärtig mit dem Scheibenschwanz, so dass ein massiver Rahmen entsteht, in dem das Schloss gut untergebracht wurde. Der Schaft ist an dem Kreuzteil fest verschraubt.
Bleibt beim Öffnen der Spann-Schieber vorn, dann wird das Schloss durch eine Spannstange beim Verschluss-Öffnen mit dem Unterhebel gespannt (Selbstspanner-Funktion). Natürlich sind auch Handspanner-Schlosse nicht „idiotensicher“. Kommt man nicht zu Schuss, dann müssen sie selbstverständlich sofort entspannt werden. Der Vorteil besteht darin, dass die Waffe gefahrlos, aber geladen geführt werden kann und blitzschnell einsatzbereit ist.
Extrem starker Verschluss Scheiring verwendet einen Kippblock-Verschluss mit Unterhebel für das Öffnen. In eine mit dem Lauf aus einem Stück gefertigte Schienen-Verlängerung greift ein massiver Bolzen am Kippblock in eine dort vorhandene Ausnehmung. Der Lauf wird damit verriegelt und den Abzieh- sowie Abkipp-Bestrebungen entgegengewirkt.
Durch den Unterhebel wird der Block mit dem Bolzen leicht abgekippt und die Verriegelung zum Laufabkippen freigegeben. Ferner stützt sich der Lauf durch ein Hakenstück am starken Scharnierbolzen ab. Ein zweiter Haken greift in eine Ausnehmung des Kippblockes ((Winkelstück), um sich dort rückwärtig abzustützen. Alleine durch den Kippblock wird der Lauf sicher verschlossen. Insgesamt ergibt dies eine extrem feste, verwindungssteife Verriegelung, die auch starker Belastung standhält. Der Laufhaken ist als Ganzes in Form einer Halbbrille auf den Lauf hart aufgelötet.
Prinzipiell ist ein Verschluss-Hebel über dem Abzugsbügel sinnvoll. Öffnungshebel auf der Scheibe stehen oft einer niedrigen Zielfernrohrmontage entgegen, weil dann für die Finger zum Bedienen wenig Raum bleibt. Trotzdem konnten sich Unterhebel nicht durchsetzen.
Einmal sind sie in der Ergonomie nicht günstig: Ein obenliegender Verschluss-Hebel lässt sich praktisch ohne Handversetzung recht leicht bedienen. Eine kurze Bewegung genügt. Der Unterhebel muss aber umständlich mit einer Hand gefasst werden, und auch der Weg ist länger und die nötige Kraft höher. Bewerkstelligt er gar das Schlossspannen, dann ist Kraft beim Öffnen angesagt. Sicherlich ist das mehr eine Geschmackssache als ein jagdpraktisches Handicap. Bei der Jagd bereitet mir diese Art des Verschlusshebels jedenfalls keine Probleme. Ob man den Lauf eine oder ein paar Sekunden langsamer damit abkippen kann, ist doch wohl kaum jagdentscheidend.
Als Lauf wurde ein starker, 65 Zentimeter langer Oktagon-Lauf mit einem Mündungsdurchmesser von 17 Millimetern gewählt. Er wurde genau an den ehemaligen Kanten kanneliert. Auf der Laufunterseite ist im Bereich des Vorderschaftes keine Kannelierung vorhanden. Genauso wurde sie im Bereich der Riemenbügelöse unterbrochen.
Der Lauf hat eine aufschraubbare Mündungsbremse aus leichtem Titan. Die Bremse weist eine Vielzahl von Bohrungen auf und hat eine Kompensationskammer durch die etwas mehr als kaliberstarke mittige Bohrung. Die ausströmenden Gase vermindern vor allem den unangenehm empfundenen Hochschlag. Die Waffe liegt im Schuss wie ein Brett. Ich konnte fast keinen Hochschlag wahrnehmen. Damit schießt sich die nur 2,96 Kilogramm schwere und 107 Zentimeter lange (mit Mündungsbremse 111 Zentimeter) lange Büchse nahezu butterweich und sehr angenehm. Angst vor dem Rückstoß braucht man nicht zu haben, aber der Schussknall ist nicht von schlechten Eltern.
Auf der Büchse wurde mittels Scheiring-Schwenkmontage ein Zeiss Diavari-VM 5-15x42T* montiert. Die Vorderfußplatte wurde auf den Lauf gelötet. Die Hinten-Verriegelung mittels Schlösschen erfolgt in einen in die Laufoberseite eingearbeiteten Prisma. Die Montage erwies sich als schussfest und leicht bedienbar. Sie gewährleistet nach Ab- und Aufsetzen des Zielfernrohrs eine gleichbleibende Treffpunktlage. Eine offene Visierung fehlt.
Handhabung und Schuss-Leistung Die Pass-Arbeiten wurden sehr penibel ausgeführt, so dass beispielsweise die Verschlussteile auch wirklich „tragen“. Die Metall-/ Holzübergänge sind perfekt. Auch das Oberflächen-Finish von Holz und Metall kann sich sehen lassen. Die Seitenplatten wurden genauso wie die Laufwurzel mit feinsten Arabesken graviert. Eine klassische und sehr aufwändige Arbeit, die sehr gut ausgeführt wurde.
Die lange, aber leichte Waffe (mit Zielfernrohr wiegt sie 3,5 kg) lies sich sehr gut führen. Sie ist eine ideale Pirschwaffe für offenes Gelände wie Gebirge oder Steppe. Ein potentes Hochrasanzkaliber prädestiniert sie für weite Schüsse und ihr leichtes Gewicht macht sie zum idealen Begleiter bei Gebirgsjagden.
Die Schuss-Leistung wurde auf verschiedenen Entfernungen ermittelt. Fünf Schuss aus kaltem Lauf ergaben 2,2 Zentimeter und aus warmem Lauf 2,8 Zentimeter (jeweils Scheiring Patronen mit 11,7 Gramm Sierra Pro-Hunter TM-Geschossen). Auf 200 Meter lagen fünf Schuss auf 32 Millimeter (2. Schussbild 40 Millimeter) zusammen. Je drei Schuss auf 300, 400 und 500 Meter ergaben Streukreise von neun, 12 und 14,5 Zentimetern. Diese außergewöhnliche Schussleistung bedarf keines Kommentars. Übrigens bei acht Zentimeter Hochschuss auf 100 Meter hat man auf 200 Meter rund 6,5 Zentimeter Hochschuss und auf 300 Meter zwischen neun und 12 Zentimeter Tiefschuss. Für starkes Hochwild wie Rotwild, Wapiti oder Wildschafe kann man damit denselben Haltepunkt bis zu 300 Meter Entfernung benutzen.
Scheiring baut außergewöhnliche Kipplauf-Büchsen in extremen Hochleistungskalibern, die eine hohe Präzision auch auf weite Entfernung erbringen. Es sind ideale Waffen für Wildnisjagden. Der Besitzer der Testwaffe erlegte damit neben Rotwild auch Argali, Marco Polo-Schaf und Steinwild, teils auf kurze, teils aber auch auf sehr weite Entfernungen. Inzwischen hat der Besitzer der Testwaffe auch eine Scheiring Kipplaufbüchse mit Plasmanitrierung (höherer Korrosionsschutz) und Schichtholzschaft (hohe Bruchsicherheit) bestellt. |
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Tabellen: Fabrikpatronen Technische Daten Kasten: Das Kaliber .300 Pegasus Fotos: Roland Zeitler |
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