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"Express Light" von Heym

Großwild-Büchsen mit langem Magnumsystem sind sehr sichere, aber auch meist sehr schwere Büchsen. Heym zeigt, dass es auch anders geht und baut jetzt mit dem großen Magnumsystem eine „Express Light“, die nur 3,8 Kilogramm wiegt.

Express Light
Die Express Light ist eine ausgesprochen schlanke Waffe.

Von Norbert Klups
Die Heym Express hat einen hervorragenden Ruf als sicher funktionierende und präzise Großwildbüchse, bringt aber auch ein Gewicht von fast fünf Kilogramm auf die Waage. Dazu kommen dann natürlich noch Zieloptik und Montage. Mit vollem Magazin drücken dann über sechs Kilogramm auf der Schulter.

Bei einer stundenlangen Fußpirsch unter Afrikas Sonne ist das nicht gerade eine sehr angenehme Sache. Dafür bietet das große Heym Express-System mit dem langen Mauserauszieher aber die nötige Funktionssicherheit, die bei der Jagd auf wehrhaftes Wild so wichtig ist. Und es kann auch die ganz dicken Pillen aufnehmen.

Mit der neuen Express Light baut Heym jetzt einen Repetierer mit allen Vorzüge der Express, der aber durch einen schlankeren Lauf, ein abgespecktes Magazin und einen neu gestalteten Schaft nur noch 3,8 Kilogramm wiegt.

Das System

Vorbild für das große Heym-System ist das lange Mausersystem aus Vorkriegsfertigung. Die Verschlusshülse kann Patronen bis zu einer Gesamtlänge von 100 Millimetern aufnehmen. Das Heym-System ist als Double Square Bridge ausgebildet und ab Werk bereits mit Bohrungen für die Zielfernrohrmontage versehen.

Legt man die Schieblehre an, wird schnell klar, dass dieses System ein mächtiger Brocken ist. Bei einer Breite von 34 Millimetern ist das Gehäuse am Hülsenkopf satte 37 Millimeter hoch, wobei der Rückstoßstollen nicht mitgemessen wurde. Die Verriegelung erfolgt im Hülsenkopf durch zwei kräftige Verschlusswarzen. Die linke Warze ist aber hier nicht für den Auswerfer geschlitzt wie beim Mauser-Vorbild.

Heym hat den Auswerfer einfach in den Magazinkasten verlegt. Die federbelastete Klinke schwenkt von unten in die Kammerbahn ein und sorgt für den Hülsenauswurf. Eine Schwächung der linken Warze konnte so verhindert werden.

Dafür spart Heym aber die dritte, beim Mausersystem in Höhe der Hülsenbrücke angeordnete Warze ein. Diese trägt aber im Normalfall nicht, sondern fungiert nur als Sicherheitsreserve. Auf zusätzliche Sicherheit verzichtet man aber auch hier nicht. Beim Heym-System wird diese Funktion vom Kammerstängel übernommen, der in verriegelter Position in die Ausnehmung der Systemscheibe eingreift. Zu einer echten Anlage kommt es allerdings hier nicht.

Der lange Mauser-Auszieher wurde unverändert beibehalten, denn bezüglich der Zuverlässigkeit ist er von keiner anderen Konstruktion bisher übertroffen worden. Nachteil ist natürlich, dass nur aus dem Magazin geladen werden kann. Die Patrone einfach auf den Zubringer legen, geht nicht.

Die System-Unterseite ist durchgehend plan und lässt sich somit hervorragend im Schaft betten. Heym wendet aber noch einen zusätzlichen Kunstgriff zur Systembettung an und benutzt den Magazinkasten als Auflage für die Verschlusshülse. Der massive Kasten wird von oben in den Schaft eingelassen und mit den beiden Querstollenschrauben mit dem Schaft verbunden. Das Magazingehäuse stellt dann die Auflage für das Verschlussgehäuse dar. Die Verbindung erfolgt mit Kreuzschrauben. Diese Auslegung hat auch Vorteile bei der Rückstoßübertragung auf den Schaft, denn die Rückstoßkräfte werden über die großflächige Rückseite des Magazinkastens auf das Schaftholz abgeleitet.

Die Patronen liegen im Kasten nach Mauserart im Zickzack. Im Kaliber .375 Holland & Holland lassen sich drei Patronen unterbringen. Das Magazin wurde bei der Leichtausführung bewusst flach gestaltet, um einen schlanken Schaft zu ermöglichen. Den Schlosshalter hat Heym nicht von der alten Mauser-Konstruktion übernommen, sondern hier ein ganz neues Teil entwickelt. Der kleine Schieber sitzt unterhalb der linken Hülsenbrücke, wodurch die linke Seite wesentlich eleganter wirkt als beim weit abstehenden Mauser-Schlosshalter.

Auch das Schlösschen ist eine vollkommene Neukonstruktion, wobei die geschlossene Form stark am Heym-System SR 20 angelehnt ist. Der vertikal schwenkbare Sicherungsflügel ist als Dreistellungssicherung ausgebildet und arbeitet als echte Schlagbolzensicherung. In Mittelstellung lässt sich die Waffe mit gesichertem Schlagbolzen laden und entladen.

Schlanker Lauf

Der Lauf ist nur 61 Zentimeter lang und hat an der Mündung einen Durchmesser von 17 Millimetern. Im Vergleich zu der wuchtigen Laufkontur der „großen“ Express geradezu ein schlankes Röhrchen. Dadurch wird aber jede Menge Gewicht gespart.

Auf die ganz dicken Kaliber der .500er Klasse verzichtet man bei der Light natürlich. Hier wäre ein dickerer Lauf erforderlich. Bei .416 Remington Magnum ist Schluss. In eine 3,8-Kilo-Büchse eine .500 Jeffery einzulegen, ist auch nicht empfehlenswert und dürfte den Rückstoß im sehr schmerzhaften Bereich ansiedeln. Hier ist die große Express die vernünftigere Wahl.

Als Visier dient eine feststehende Kimme in Schmetterlingsform mit rechteckigem Ausschnitt. Das Balkenkorn mit Messingauflage ist in der Höhe verstellbar. Diese Visierung kennt man von den Modellen SR 21 und SR 30. Die Visierteile sind auf den Lauf aufgelötet. Im Vergleich zu dem aufwändigem Expressvisier und dem mit einem Ring über den Lauf gezogenem Kornhalter der Heym-Express wirkt diese Visierung für eine Großwildbüchse zwar etwas „sparsam“, ist aber nur konsequent, wenn Gewicht gespart werden soll. In der Praxis ist dieses Visier für den schnellen Schuss auf kurze Distanz zudem sehr gut geeignet. Mehrklappen-Visiere sind zwar optisch sehr anschaulich, doch verwendet die zusätzlichen Klappen wohl kaum jemand.

In einem Abstand von 24 Zentimetern von der Laufmündung ist eine Riemenbügelöse für abnehmbare Riemenbügel unter den Lauf gelötet. Der Abstand ist genau richtig gewählt, um ein angenehmes Tragen der Büchse auf der Schulter zu gewährleisten. Die hintere Riemenbügelbasis ist in das Holz des Hinterschaftes geschraubt.

Verstellbarer Flintenabzug

 Heym stattet die Express Light mit einem verstellbaren Flintenabzug aus, der ein angenehm trockenes Abzugsverhalten zeigt. Werksmäßig war der Abzug auf 1700 Gramm Abzugsgewicht eingestellt. Für eine Großwildbüchse zwar noch im „grünen Bereich“, doch der Verfasser würde hier 500 Gramm weniger vorziehen. Das ist immer noch sicher genug für einen schnellen Schuss und erlaubt eine bessere Abzugskontrolle bei Präzisionsschüssen.

Das Abzugsgewicht lässt sich aber über eine Einstellschraube bis auf unter ein Kilogramm verringern. Zu leicht sollte eine Großwildbüchse auf keinen Fall auslösen.

Schlanker Schaft

 Der Hinterschaft mit geradem Schaftrücken, flachem Pistolengriff und lang gezogener Backe hat eine für Großwildrepetierer klassische Form, ist aber sehr schlank gehalten. Der Vorderschaft endet in einem Edelholzabschluss, und der Pistolengriff wird mit einem flachen, brünierten Metallkäppchen abgeschlossen. Um den Rückstoß der leichten Büchse zu mildern, wurde eine zwei Zentimeter dicke, rote Gummikappe ohne Schlitze montiert.

Vorderschaft und Pistolengriff sind mit einer sehr sauber geschnittenen Fischhaut verschnitten, bei der es sich offensichtlich um penible Handarbeit handelt. Das gut gemaserte Nussbaumholz des Schaftes ist aufwändig poliert und geölt. Der Schaft ist so ausgelegt, dass über Kimme und Korn oder ein flach montiertes Zielfernrohr bequem geschossen werden kann. Das bei der Testwaffe angebrachte 1,5-6x42 Schmidt & Bender ließ gerade noch einen schnellen Anschlag zu, ohne den Kopf hochzurecken. Auf eine „größere“ Zieloptik sollte man hier verzichten.

Auf dem Schießstand

Die Testwaffe im Kaliber .375 Holland & Holland Magnum wurde wie üblich auf 100 Meter unter Verwendung eines Schießgestelles geschossen. Das Zielfernrohr (1,5-6x42, Schmidt & Bender) war mit einer Eramatik-Schwenkmontage der Firma Recknagel montiert. Bei der Eramatik Montage ist, wie bei der EAW-Hebelschwenkmontage, auf der hinteren Hülsenbrücke kein Schlösschen, sondern nur eine Prismenplatte erforderlich. Damit gibt es hier keine höher bauenden Montageteile, die beim Schuss über Kimme und Korn stören könnten.

Die Büchse war werksseitig mit Norma Munition mit dem 19,4 Gramm schweren TXP-Geschoss eingeschossen. Mit dieser Patrone schoss die Light Fünf-Schuss-Streukreise von 41 Millimetern. Mit der anschließend probierten TUG von RWS im gleichen Geschossgewicht waren es sogar nur 35 Millimeter. Alle Schüsse wurden aus kaltem Lauf abgegeben. Für eine Büchse in diesem starken Kaliber ein hervorragendes Ergebnis.

Trotz des nicht sehr hohen Waffengewichtes lässt sich die Heym, zumindest im getesteten Kaliber .375 Holland & Holland Magnum, noch problemlos beherrschen. Die anatomisch gelungene Schäftung überträgt den Rückstoß geradlinig auf die Schulter des Schützen, und die dicke Gummikappe mit breiter Auflagefläche wirkt sehr dämpfend.

Fazit

 Mit der neuen Express Light bietet Heym die Möglichkeit, eine Großwildbüchse mit dem Heym-Expresssystem als leichte und schlanke Waffe zu führen. Alle Vorzüge des langen Magnumsystems, besonders die sichere Zuführung und die Vorteile der echten Schlagbolzensicherung bleiben erhalten.
Die Magazinkapazität von drei Patronen mag etwas gering erscheinen, doch in der Regel kommt man damit in fast allen Situationen aus. Doch auch hier bietet Heym noch ein „Upgrade“ an. Für 185 Euro Aufpreis gibt es einen höheren Klappmagazindeckel, der es erlaubt, eine Patrone mehr unterzubringen.

Der Verkaufspreis von 3.960 Euro ist für eine Büchse mit dem Heym-Express-System günstig. Für die ausgewachsene Express mit gleichem System verlangt Heym 5.460 Euro. So ist die „Light“ ein Schnäppchen.

Dreistellungs-Sicherung
Die Dreistellungs-Sicherung legt den Schlagbolzen fest.


Tabellen:
Technik auf einen Blick
Kasten:
Vorteile & Nachteile
Fotos: Norbert Klups

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