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JWW 6/2004
.318 Westley Richards N. E.

Die schlanke .318 WR N. E. ist heute fast in Vergessenheit geraten. Sie wurde 1910 von Westley Richards entwickelt und war für die Jagd auf Großantilopen gedacht. Sie ist eine randlose Patrone, doch Westley Richards fertigte auch Blockbüchsen und Doppelbüchsen in diesem Kaliber.

Norbert Klups


Bei der .318 Westley Richards N.  E. handelt es sich um eine typische „Mittelpatrone“ – zumindest von den Abmessungen her. Trotzdem leistet sie Erstaunliches, denn ihre Konstrukteure setzten bei dieser Patrone nicht nur auf besonders schwere Geschosse, sondern statteten die Läufe auch mit einem Acht-Zoll-Drall aus. Der Verfasser jagt seit Jahren mit dieser sehr angenehm schießenden und extrem wirkungsvollen Patrone und kann hier aus dem Vollen schöpfen, was die praktischen Erfahrungen mit dieser Patrone angeht.
 
Von den Maßen her ist die .318 WR nichts anderes als eine 8x60. Es lassen sich sogar 8x60 S Patronen aus einem .318 WR Repetierer verschießen, auch wenn die Präzision nicht besonders hoch ist, denn die .318 WR benötigt einen Geschossdurchmesser von .330 Zoll, während die 8mm S-Geschosse lediglich .323 Zoll durchmessen. Das Besondere der .318 WR ist aber ihr Geschossgewicht, das 250 Grains, also 16,2 Gramm beträgt.
 
Eine 8x60 S oder auch die in der Leistung sehr ähnliche .30-06 kann mit maximal 14,5 Gramm schweren Geschossen laboriert werden. Schwerere Geschosse würden nicht mehr ausreichend stabilisiert, denn die Standarddralllänge bei diesen Kalibern liegt bei zehn oder zwölf Zoll. Die .318 WR mit Acht-Zoll-Drall stabilisiert daher auch die schweren Geschosse.
 
In der Praxis hat das große Auswirkungen. Die Tiefenwirkung ist aufgrund der enormen Querschnittsbelastung extrem hoch, und die .318 WR produziert auch bei sehr schwerem Wild noch Ausschüsse. In alter englischer Jagdliteratur ist von Ausschüssen bei 700 Kilogramm schweren Elandbullen auf 150 Meter die Rede. Auch viele Elefantenjäger, darunter auch Karamojo Bell, benutzten die .318 WR und erlegten eine Menge damit. Dazu ist aber die Patrone nicht gedacht und auch nicht zu empfehlen.
 
Westley Richards laborierte die .318 WR mit so genannten „Cape Bullets“, die speziell für diese Patrone entwickelt wurden und eine enorme Tiefenwirkung erbrachten. In alten Katalogen sind durchschossene Stahlplatten von 1,4 Zentimeter Dicke abgebildet.
 
Durch die nur bei 700 bis 730 m/s liegende Mündungsgeschwindigkeit ist dazu die Wildbretentwertung sehr gering. Hämatome kommen kaum vor und die Ausschüsse sind nicht sehr groß. Vom Rückstoßverhalten her liegt die .318 WR auf dem Niveau der 8x60 S oder .30-06. Schaut man sich die Werte an, wird schnell klar, dass es sich hier auch um eine ideale Mittelpatrone für europäisches Wild handelt. Brauchbar von der Drückjagd bis zur Ansitzjagd auf Rehwild, denn auch bei unserer kleinsten Schalenwildart ist die .318 WR sehr wildbretschonend.
 
Der Neubau eines Repetierers im Kaliber .318 WR ist zudem kein großes Problem, denn ein Standardsystem reicht völlig, und die passenden Läufe mit Acht-Zoll-Drall sind von Lothar Walther zu bekommen. Dort lässt nämlich die englische Firma Westley Richards ihre Läufe fertigen.
 
Von der Ballistik sehr ähnlich ist die .338-06, eine auf das Kaliber .338 aufgeweitete .30-06, die dadurch ebenfalls den Vorteil des hohen Geschossgewichtes bekommt.
 
Die Hülsenbeschaffung ist sehr eingeschränkt.  Wer seinen Hülsenvorrat nicht unbedingt durch das Verschießen der teuren Fabrikpatronen anlegen will, kann aber auch 8x60 S Hülsen verwenden – muss dann aber mit dem nicht passenden Bodenstempel leben. Neue Hülsen sind bei Reimer Johannsen, Neumünster, zu bekommen. Johannsen bietet auch Umformwerkzeug an, mit dem sich .318 WR Hülsen aus .30-06 herstellen lassen. Das ist aber nur dem versierten Wiederlader zu empfehlen.
 
Bei den Geschossen sieht es noch schlechter aus. Der .330er Geschoss-Durchmesser ist bei den Herstellern so gut wie nicht vertreten. Lediglich die 8x56 R Ungarisch benötigt noch diese Geschosse – und die ist auch nicht gerade häufig zu finden. Das Angebot beschränkt sich auf Geschosse von Woodleigh und dem belgischen Hersteller Wim Degol.
 
Degol bietet auch leichtere Geschosse von 207 und 210 Grains an, die für die 8x56 R Ungarisch gedacht sind, aber sich auch in der .318 WR verladen lassen. Auch Delsing hat ein 200 Grains Geschoss für die 8x56 R im Programm. Mit den leichteren Geschossen lässt sich die .318 in eine 8x60 S oder .30-06 verwandeln. Die ballistischen Vorteile spielt sie aber nur mit den schweren 250-Grains-Geschossen aus.
 
Bei den Treibladungsmitteln sind die mittelschweren bis langsamen Pulver brauchbar. Besonders Kemira N 560, Kemira N 150, Rottweil R 903, und Rottweil R 907 erwiesen sich als geeignet. Standard-Zündhütchen reichen aus. Die Werkzeugbeschaffung ist ein weiteres Problem, wenn ein Original-Matrizensatz gewünscht wird. Der ist von RCBS oder Triebel zwar zu bekommen, aber entsprechend der Seltenheit des Kalibers teuer.
 
Die .318 WR lässt sich aber ohne weiteres auch mit einem 8x60 S oder sogar 8x57 IS Matrizensatz laden, wenn lediglich der Innenkalibrierkern geändert wird. Es ist kein großes Problem, den kleinen Knopf vom gängigen Durchmesser .338 auf .330 abzudrehen.
 
Fabrikpatronen gibt es nur von Wolfgang Romey. Bei der Gesamtlänge muss bei den schweren Geschossen unbedingt das Maximum von 84,5 Millimetern, das ist die Länge, die sich in einem 98er Magazin unterbringen lässt und sicher zugeführt wird, ausgeschöpft werden. Wird das Geschoss tiefer in die Hülse gesetzt, verringert sich der Pulverraum, und es kommt zu gefährlichen Gasdrucksteigerungen.
 
Zur Ermittlung der Ladedaten wurde ein Repetierer mit 63 Zentimeter Lauflänge benutzt. Die Geschwindigkeit wurde drei Meter vor der Laufmündung gemessen.
 
Weil keine Garantie dafür besteht, mit welcher Sorgfalt und welchen Komponenten der Wiederlader arbeitet, noch in welchem Zustand sich die Waffe befindet, in der er seine Munition verschießt, erfolgt die Angabe der Ladedaten in jeder Hinsicht ohne Gewähr!

Norbert Klups

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Ladedaten Geschosspalette, Was passt zu wem?, Fabriklaborierung

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