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Für Preisbewusste

Großwildwaffen zu niedrigen Preisen? Die können ja nichts taugen. Meint man. Aber die Waffentests sagen etwas anderes. Ein paar Abstriche muß man bei der sehr preisgünstigen Luger L99 Safari aber hinnehmen. Dazu die Winchester 70 Classic im Vergleich

Kettner
Kettner spricht mit seinem Repetierer im Kaliber .458 Winchester Magnum den Jäger an, der die Waffe vielleicht einige Male im Leben führt. Kann man sich auf diese Büchse für 1245 Mark im Ernstfall verlassen?

Von Roland Zeitler
Sicherlich will nicht jeder Jäger, der einmal im Leben wehrhaftes Großwild wie den Kaffernbüffel bejagt, sich eine Custombüchse aus einer der wenigen auf Großwildwaffen spezialisierten Nobelschmieden anfertigen lassen. Die darauf spezialisierten Büchsenmacher liefern perfekte Großwildbüchsen, doch lassen sie ihre Kunden auch tief in die Tasche greifen. Ein Repetierer kostet dann schon 10000 Mark und mehr. Dagegen ist der Kettner-Repetierer Modell Luger L99 Safari für 1245 Mark fast schon eine Dreingabe zur Jagd.

Luger L99 Safari

 Nicht das alte, aber bewährte Original-Mauser 98er System aus Vorkriegszeiten, sondern das im ehemaligen Jugoslawien neu gefertigte Zastava-System bildet das Herzstück der Waffe. Der große Unterschied zum Mauser-System liegt vor allem in der Sicherung: Es fehlt die äußerst sichere Dreistellungs-Schlagbolzensicherung. Statt dessen hat die Büchse eine seitliche Schiebesicherung mit zwei Stellungen (Technik).

Dabei wird in gesicherter Stellung der Abzugsstollen blockiert und die Kammer gesperrt. Der Weg von „gesichert“ zu „entsichert“ ist für eine Großwildbüchse aber zu kurz, und die Sicherung ist einfach zu leichtgängig. Es besteht so die Gefahr, dass bei der Jagd unbeabsichtigt entsichert wird.

Ansonsten zeigt das Schloss eindeutig die Merkmale des Mauser 98er auf. Die Kammer wird mit zwei kräftigen Warzen verriegelt, und eine dritte Warze befindet sich im Hülsenbrückenbereich. Das Schlösschen ist gut vor Verschmutzung geschützt. Im gespannten Zustand kann die austretende Schlagbolzenmutter deutlich gefühlt werden.

Große Gasentlastungsfreiräume in der Kammer sorgen im Bedarfsfall für Sicherheit. „Unabdingbar“ für eine Großwildbüchse ist der lange, nichtrotierende Auszieher nach Mauserart. Er sorgt für kontrollierte Patronenführung und arbeitet auch bei großer Verschmutzung noch zuverlässig.

Die Lippe des Ausziehers wurde so bearbeitet, dass die Kammer auch bei von Hand ins Patronenlager geschobenen Patronen geschlossen werden kann. Der robuste Auswerfer, im Schlosshalter integriert, arbeitet zuverlässig. Die Hülse mit großem Auswurffenster, ideal für schnelles Nachladen, fällt recht formschön aus. Abzugsbügel und Bodenplatte, einschließlich Magazinschacht, sind preisbewusst aus Kunststoff gefertigt.

Entladen wird über eine Magazinklappe. Der seitliche Entriegelungsknopf läßt sich leicht bedienen. Man muß aber aufpassen, dass sich die Magazinklappe nicht unbeabsichtigt öffnet, wenn man zufällig an den Knopf stößt.

Die Magazinkapazität ist mit drei Patronen nicht berauschend. Weil man aber eine Patrone von Hand ins Patronenlager laden kann, ist die Kapazität ausreichend.

Der Flintenabzug fällt äußerst positiv aus. Er steht sehr trocken und löst bei 850 Gramm Widerstand aus. Damit kann jeder zurechtkommen, auch bei präzisen Punktschüssen. In den Hülsenkopf wurde ein 60 Zentimeter langer Jagdlauf geschraubt. Mit einem Mündungsdurchmesser von 18 Millimeter ist er eher dünn gehalten. Auf ihm sitzt die wenig brauchbare Visierung.

Es handelt sich um eine vereinfachte Art der Williamsvisierung aus Kunststoff. Die umklappbare Kimme steckt im Schwalbenschwanz, und das Kimmenblatt kann mit zwei Halteschrauben in der Höhe justiert werden. Es hat einen Rundausschnitt, in dem sich das schwarze, dünne Rundkorn sehr präzise einpassen lässt: ein Visier für den Präzisionsschuss bei gutem Licht.

Keinesfalls eignet es sich für schnelle Schnappschüsse oder das Flüchtigschießen. Außerdem fehlt ein deutlicher Kontrast zum Korn. Lobenswert ist dagegen der abnehmbare Korntunnel.

Der Schaft ist für eine Waffe dieser Preisklasse ein wahres Schmuckstück. Der Ölschaft aus Nussbaumholz ist ansprechend längsgemasert und schließt vorne mit einer Rosenholzkappe ab. Die mittelfeine Fischhaut an Vorderschaft und Pistolengriff ist ausreichend scharf und sehr sauber geschnitten.

Der Hinterschaft in Monte Carlo-Form – es gibt aber auch einige Waffen mit geradem Rücken – hat Pistolengriff und Deutsche Backe. An seinem Ende sitzt eine dicke Gummischaftkappe.

Na ja, an den Pistolengriff schraubte man ein schwarzes Plastikkäppchen.

Mit seiner guten Schäftung führt der Schaft die Rückstoßkräfte recht geradlinig an die Schulter. Der Rückschlag und vor allem der Hochschlag hält sich in angenehmen Grenzen. Die Büchse schießt sich angenehm.

Das System der offensichtlich in Suhl gebauten Büchse ist korrekt mit freiliegendem Lauf eingeschäftet. Eine Querbolzenverschraubung im Rückstoßstollenbereich schützt vor Schaftbruch. Auch die Verarbeitung kann sich sehen lassen: Die Metallteile sind gut poliert und bis auf Verschlusszylinder mit Auszieher tiefschwarz brüniert. Einzig die Kammer läuft etwas rauh; die Politur der Verschlussbahn und der Warzen könnte besser sein.

Zu Testzwecken war mit der Kettner Brückenschwenkmontage ein Docter-Zielfernrohr 1-4x24M montiert. Die Montage ist aber für eine Großwildbüchse ungeeignet, weil die Bauhöhe zu hoch ist. Man kommt nur noch mit dem Kinn anstatt mit der Wange in Schaftkontakt.

Ein satter, schneller Anschlag für instinktives Schießen ist so nicht möglich. Es sollte unbedingt eine niedrigere Montage gewählt werden.

Nun zu unserer Ausgangsfrage: „Ist die Waffe praxistauglich?“ Die Frage kann man getrost mit „ja“ beantworten. Allerdings mit einigen Abstrichen beziehungsweise Kompromissen. Die Büchse liegt gut im Anschlag, lässt sich angenehm und schnell schießen. Der leicht geschwungene Kammerstengel mit Halbkugel greift sich noch gut. Die Patronenzufuhr und der Hülsenauszug sowie -auswurf arbeiten zuverlässig.

Die offene Visierung ist für eine Großwildjagd ungeeignet. Sie könnte man nachträglich durch ein Expressvisier ersetzen. Ob man die Magazinklappe verklebt, ist jedem überlassen. Die Gefahr einer unbeabsichtigten Öffnung besteht jedenfalls. Ein Manko ist die leichtgängige Sicherung. Hier sollte man Vorsicht walten lassen. Sie hat aber den Vorteil, dass blitzschnell entsichert werden kann.

Die Schussleistung ist für dieses Kaliber sehr gut. Mit Romey-Patronen erbrachte sie auf 100 Meter Streukreise zwischen 4,0 und 4,5 Zentimeter bei fünf Schuß. Ein Schussbild mit PMP-Patronen (500 Grains Barnes Solid) ergab eine Streuung von 5,6 Zentimetern.

Sicherlich ist der Luger L99 kein Repetierer für einen Professional Hunter. Der Jäger, der einmal zur Büffeljagd fährt, kann aber die Waffe getrost mitnehmen.

Falls er sich zu Hause mit der Büchse ausreichend vertraut gemacht hat, wird er keine Probleme mit der Waffe haben. Zieht man den Preis mit ins Kalkül, dann wird ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis geboten.

Winchester Modell 70 Classic Safari

 Die Testwaffe im Kaliber .416 Remington Magnum und in der Ausführung „Super Express“ erscheint schmucklos, grundsolide, klassisch. Der glatte, aber samtmatt „lackierte“ Schaft aus gutem Nussbaumholz fällt kräftig aus.

Auffallend die dicke Gummi-Schaftkappe, wie sie all die berühmten englischen Vorbilder in der „guten alten Zeit“ der Großwildjagd aufwiesen. Das ist weniger Geschmackssache, sondern eben Stil.

Der Hinterschaft hat die klassische Form mit geradem Rücken und Pistolengriff. Dieser gerade Schaftrücken leitet die Rückstoßkräfte ideal an die Schulter weiter. Der Anschlag ist perfekt, und der Hochschlag hält sich in Grenzen.
Der kräftige Vorderschaft mit seiner fast flachen Unterseite lässt sich ausgezeichnet greifen.

Die mittelfeine Fischhaut an Pistolengriff und Vorderschaft wurde sauber geschnitten und ist ausreichend scharf.

Auffallend ist die ins Schaftholz eingelegte und zweifach verschraubte Öse für abnehmbare Riemenbügel: eine klassische, aufwendige und sichere (kein Herausdrehen!) Methode. Die vordere Öse ist mit einem Ring um den Lauf befestigt. Dadurch lässt sich die Büchse sehr bequem tragen.

Nicht ganz so nobel wirkt das Griffkäppchen aus Plastik. Vor Schaftbruch schützen zwei Querbolzenverschraubungen: im Rückstoßstollenbereich und hinter dem Magazinkasten.

Berühmtheit ist das System. Es orientiert sich stark am Mauser 98er System. Die aus einem Stück gefräste Hülse ist verwindungsfest. Sie hat eine flache Unterseite mit starken Rückstoßstollen, in den die vordere Systemschraube greift.

Im Hülsenkopf sorgt eine seitliche Gasentlastungsbohrung für Schützensicherheit. Obwohl noch eine linksseitige Gasabdichtung (Gasblock hinter Warze) im Hülsenkopf liegt, steht in diesem Bezug das Winchester System dem Mauser 98 mit seinem Gasschild und großen Gasfreiräumen in der Kammer etwas nach (Technik).

Die Kammer verriegelt mit zwei Warzen im Hülsenkopf. Der Kammerstengel fungiert als eine Art „Sicherungswarze“. Die Kammer wird durch eine geschlitzte Warze in einer Schiene der Hülse geführt. Dank hervorragend polierter Verschlussbahnen ergibt sich ein sehr weicher, verkantungsfreier Schlossgang. Weitere Ausstattungsdetails: separater Kammerstopper und seitlicher, langer, nichtrotierender Auszieher.

Er führt die Patronen kontrolliert aus dem Magazin. Auch verschmutzte Patronenlager und festsitzende Hülsen machen da keine Probleme.

Die Auszieherkralle wurde so gearbeitet, dass der Schütze die Kammer auch bei einer von Hand ins Patronenlager geschobenen Patrone schließen kann.

Der Stoßboden wurde im Kammerkopf leicht zurückversetzt, so dass die obere Hälfte des Patronenendes von einem Halbbund umgeben ist. Für hohe Zuverlässigkeit bürgt auch der manuelle Auswerfer.

Allerdings erfordert er ein vollständiges Zurückziehen der Kammer beim Repetieren.

Das ummantelte Schlösschen schützt gut vor Nässe und Schmutz. An der austretenden Schlagbolzenmutter kann der Schlossstand deutlich gefühlt werden.
Große Klasse ist die unter dem Namen „Typ Winchester 70“ bekannte Drei-Stellungs-Sicherung am Schlösschen.

Sie arbeitet horizontal und ermöglicht so eine sehr niedrige Zielfernrohrmontage. In hinterster Stellung blockiert sie den einteiligen Schlagstift direkt und sperrt die Kammer.

In Mittelstellung kann gefahrlos entladen werden. Die Sicherung lässt sich im Anschlag sehr gut bedienen und arbeitet äußerst geräuscharm.

Gut greifen lässt sich die mit einem Fischhautkranz versehene, große Kugel des leicht nach hinten gebogenen Kammerstengels.

Das Kastenmagazin aus einem Blechprägeteil fasst drei Patronen des Kalibers .416 Remington Magnum. Durch den Klappdeckel kann es bequem entladen werden. Die Arretierung mit einem Druckknopf erscheint mir ausreichend sicher zu sein. Ich hatte jedenfalls in der Jagdpraxis noch keine Probleme damit.

Ein weiteres Plus des Systems ist der überaus simple, aber dadurch extrem robuste Abzug. Er besteht gerade mal aus Abzugszüngel, Abzugsstange und einer Abzugsfeder auf Führungsstangen. Mit zwei Muttern kann er im Widerstand justiert werden. Ich justierte den Abzug auf einen Widerstand von 1000 Gramm ein.

Der Abzug steht sehr trocken und bricht wie Glas. Idealvoraussetzungen für eine sichere Großwildjagd, wo sowohl hochpräzise Punktschüsse als auch sicheres Flüchtigschießen gefragt sind.

Der Abzugsbügel ist so groß, dass man auch mit Winterhandschuhen noch bequem schießen kann.

In den Hülsenkopf wurde ein 61 Zentimeter langer, starker Jagdlauf eingeschraubt. Er misst an der Mündung immerhin noch 18,3 Millimeter im Durchmesser.

Ein Schwachpunkt des Vorgängers dieses Modells war die offene Visierung.
Die auf einem Sattel sitzende Williamsvisierung hatte ein umklappbares Kimmenblatt, was bei Benutzung eines Zielfernrohrs ideal war.

Aber: Das Visier verdeckt seitlich zu viel, weil die Flanken hochgezogen sind: ein erstklassiges Visier für den präzisen Schuß auf eine Antilope, aber nicht geeignet, wenn etwa ein Löwe oder Büffel den Jäger annimmt.

Nun hat Winchester für das neue Modell eine mit zwei Klappen versehene Express-Visierung „spendiert“. Eine Visierung, die für die Großwildjagd ideal ist. Positiv zu bewerten ist auch der Kornschutz.

Das System wurde bestens mit Kunststoff im Schaft gebettet. Der Lauf liegt frei. Die Büchse ist sehr gut verarbeitet. Die Metall-/Holzpassungen stimmen und die Metallteile wurden sehr gut poliert (Hülse ist samtmatt sandgestrahlt) und fehlerfrei tiefschwarz brüniert. Die Kammer erhielt einen sehr ansprechenden Sonnenschliff.

Auch der Schaft kann sich sehen lassen: sehr gut geschliffen und im samtmatten Finish lackiert, was ihn sehr wetterfest macht. Trotzdem sieht er mehr wie ein guter Ölschaft aus.

Beim Repetieren kann es Probleme mit aus dem Magazin springenden Patronen geben. Der Grund: schlechte Passung des Magazinblecheinsatzes. Bei Bedarf ist dieser etwas nachzudrücken, so dass der Zubringer die jeweils oberste Patrone an den Vorsprung der Hülsen drücken kann. Das wird im übrigen vom deutschen Importeur gemacht. Danach kann die Waffe ohne Störungen auch „über Kopf“ repetiert werden.

Bei der Testwaffe gab es damit keine Probleme, ebenfalls nicht mit meinen beiden eigenen Waffen. Eine Rückfrage beim Importeur ergab, dass normalerweise jede Super Express vor Auslieferung überprüft und gegebenenfalls nachgearbeitet wird.

Auf der Waffe wurde mittels Leupold QR-Montage ein Leupold Zielfernrohr Vari XIII 1,5-5x20 mit zehn Zentimeter Augenabstand montiert. Beim Schussgruppenschießen wirkte sich das grobe Heavy-Duplex-Absehen nachteilig aus.

Trotzdem erreichte die beste Schussgruppe (fünf hintereinander abgegebene Schüsse auf 100 Meter mit .416er Patronen mit Vollmantelgeschossen) 2,3 Zentimeter —und das bei der geringen Zielfernrohrvergrößerung.

Übrigens: Kettner vertreibt neuerdings eine von Wolfgang Romey entwickelte .416 Remington Magnum-Patrone mit Voll- und Teilmantel-Geschoss mit einem Geschossgewicht von 26,57 Gramm (410 Grains).

Die Winchester 70 Classic ließ sich angenehm schiessen. Sie lag ausgezeichnet im Anschlag. Mit ihrem Gewicht von 3,95 Kilogramm und der Länge von 113,5 Zentimetern gehört sie zur Gruppe der leichten und führigen Großwildrepetierer.

An der Funktion gab es nichts zu bemängeln. Der ausgezeichnete, sehr weiche Schlossgang gewährleistet ein blitzschnelles, verkantungsfreies Repetieren. Ebenfalls hervorragend: Zuverlässigkeit und Präzision.

Mit ihrem Verkaufspreis von rund 2 500 Mark bietet die Waffe ein ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis. Und die leichten Mängel des Vormodells wie der Monte Carlo-Schaft, die angelötete Riemenbügel-Öse und die nur für den präzisen Schuß geeignete Williams-Visierung sind ausgebügelt.

Den letzten Schliff ab Werk bietet die rund 5 500 Mark teure Custom Express: Gute Passarbeiten und gehornte Innenteile.

Winchester


Der Repetierer Winchester Modell 70 Classic Safari ist eine klassische Hoch- und Großwildbüchse auf Basis des weltberühmten 70er Systems in einer neuen pre-64er Ausführung. Details, die sich ein Berufsjäger wünscht, zeichnen die Waffe für 2504 Mark aus


Tabellen:
Technik Luger L99
Technik Winchester 70 Classic
Fotos: Roland Zeitler

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