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02/2001 Yellowstone - Naturfotografie bei Minus 40 Grad
Das Fotografieren bei extremen Minustemperaturen ist nicht nur für den Menschen eine Belastung, sondern auch für Kamera und Material. Wenn beides diesen Belastungen standhält, kann man unvergessliche Erlebnisse in einem Nationalpark wie Yellowstone auf Zelluloid bannen.
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 | Die Kälte und die ungewöhnlichen Lichtverhältnisse durch Schneereflektionen machen das Fotografieren im Winter im Yellowstone schwierig. |
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Von Jürgen Schiersmann Nach zweimaligem Umsteigen und einer Gesamtflugzeit von fast 20 Stunden landet meine Maschine an einem Januartag in Jackson Hole, in einem kleinen Ort im U.S.-Bundesstaat Wyoming.
Der Taxifahrer, der den Berg von Gepäckstücken neben mir sah, schaute sich suchend um. Er hielt Ausschau nach der zweiten Person. Sofort erklärte ich ihm, das sämtliches Reisegepäck - zwei große Seesäcke mit einem Gewicht von 32 Kilogramm je Sack, ein Plastik-Fotokoffer, Gewicht ca. 20 Kilogramm und ein Stoffbeutel, gefüllt mit -200- Dia-Filmen - mir, dem Naturfotografen Jürgen Schiersmann aus Deutschland, gehören. Er packte beim Einladen kräftig mit an und fuhr mich dann zu einem in der Nähe des Flughafens gelegenen Motel. Am nächsten Morgen, 09.00Uhr, holte er mich wieder ab. Bei starkem Schneefall und einer Temperatur von Minus 30 Grad Celsius stieg ich ins Taxi und ab ging die Fahrt durch eine tiefverschneite Landschaft in Richtung Yellowstone. Bei Flagg Ranche, in der Nähe der Nationalpark-Grenze war die Fahrt zu Ende. Ich stieg in den Schneebus (Snowcoach) um; ein Fahrzeug das auf Raupen läuft und 7-8 Personen befördern kann. Snowcoach und Snowbobile sind die einzigen Verkehrsmittel, die zur Winterzeit das Innere des Nationalparks erreichen. Wie viele Errungenschaften moderner Technik haben Snowcoach und Snowmobile eine gute Seite und viele schlechte. Die gute Seite: So ein Gefährt bringt seine Fahrgäste sicher- meistens - in das Parkinnere. Die schlechte: Abgase, Lärm und strapazierte Nerven. Dazu ein Gerüttel, das jedem Mitreisenden den genauen Sitz der Bandscheibe zeigt. Für die 41-Meilen-Fahrt von Flagg Ranche bis zur Old Faithful Snow Lodge, eingeschlossen mehrere Stops an landschaftlich schönen Punkten, benötigte der Schneebus dreieinhalb Stunden. Es ist schon spät am Machmittag, als unser Fahrzeug an einer Ansammlung von Gebäuden -der Ferienanlage Old Faithful- zum Stehen kommt. Unter einer meterhohen Schneedecke präsentiert sich hier die Nationonalparklandschaft. Ich beziehe mein Zimmer in einem der Snow- Lodge- Häuser. Am nächsten Morgen empfing mich der Yellowstone-Nationalpark mit einer Minustemperatur von über -40- Grad Celsius. Bereits das normale Aus- und Einatmen durch Mund und Nase schmerzte leicht. Diese enorme Kälte war der Anlaß für den Snowmobile-Vermieter, mir mein Fahrzeug, Schutzhelm und Wärmekleidung erst zwei Stunden später als normal auzuhändigen. Er wollte uns vor Erfrierungen während der Fahrt bewahren. Dann aber war es endlich soweit. Nach einer kurzen technischen Einweisung startete ich zu meiner ersten Fotoexkursion im winterlichen Yellowstone Nationalpark. Der Fotokoffer, gefüllt mit -2- Canon E0S 1-Gehäusen, einem Konverter und diversen Fuji-Filmen sowie den Canon-Objektiven EF-4,5/500 mm L und EF- 3,5-4,5/ 20-35 mm, hatte ich mit mehreren starken Spanngummibändern auf dem Gepäckträger verzurrt. Quer über dem Koffer lag das schwere Gitzo-Stativ G 500 mit dem Flachneiger G 1570, ebenfalls mit Spannbändern befestigt. Um den Hals gehängt hatte ich mir das an einem Trageriemen befestigte Canon-Objektiv EF - 2,8/70-200 mm L; daran angesetzt ein EOS 5 - Gehäuse. So war ich bestens für alle Fotosituationen gewappnet. Erfahrungen, die ich bei früheren Reisen in die Kältekammer Nordamerikas, Churchill an der Hudson Bay, gemacht habe, erleichterten mir die Wahl der geeigneten Fotobatterien für diesen Wintertrip. In allen Kamera-Motoren hatte ich die relativ neuen Energizer AA- 1,5 Volt - Lithium- Batterien eingelegt. Diese Batterien gibt es seit 2-3 Jahren; trotzdem dürfte sich ihr Vorhandensein noch nicht bei allen Fotografen und Fotohändlern herumgesprochen haben. Letzterer muß sie noch oft extra bestellen. Diese Lithium-Batterien sind sehr teuer. Sie haben aber den wesentlichen Vorteil, daß sie auch bei extremer Kälte kaum an Leistung verlieren. Niemals gab es mit ihnen ein plötzliches „Abmelden“, wie bei normalen Batterien. Etwa 12-15 Filme zogen sie durch und das bei arktischen Temperaturen. Nicht weit von der Snow Lodge entfernt, die ersten Bisons, für mich der erste Stopp. Eine kleine Gruppe der VW-Bus-großen Tiere kam von rechts aus einem Waldstück heran und wollte die Parkstraße überqueren. Ich handelte sofort. Runter von dem Snowmobile, Stativ und Fotokoffer entzurren, Stativ aufbauen, Kamera mit angesetztem 500mm-Tele dem Koffer entnehmen und auf dem Stativ festsetzen und doch war ich nicht schnell genug. Als ich das erste Mal durch den Sucher blickte, hatten die Bisons die Parkstraße bereits überquert. Ich wollte gerade wieder zusammenpacken, als ich in der Ferne mehrere Snowmobile herankommen sah. Als die Snowmobile nur noch etwa 100 Meter von mir entfernt waren, trat plötzlich ein junger Bisonbulle, den ich vorher nicht ausgemacht hatte, auf die Fahrbahn und verhielt dort. Für mich war klar, daß die Snowmobile-Fahrer anhalten und den Bullen erst einmal weiterziehen lassen würden. Doch da hatte ich mich gewaltig getäuscht, denn mit unverminderter Geschwindigkeit, ca. 40 km/h, fuhren sie rücksichtslos in -2-Meter Abstand an dem Tier vorbei. Als die ersten beiden Snowmobile den Bison passiert hatten, drückte ich auf den Auslöser und machte eine Bildserie von dem Geschehen. Eines der Fotos wurde später bei einem Wettbewerb der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen preisgekrönt. Wie Wesen aus einer anderen Welt bewegten sich verschneite Bisons, Wapitis, Elche und Kojoten durch den märchenhaften Yellowstone. Die eisige Kälte hatte die vom Wind verwehten Dämpfe aus den heißen Quellen an den mit Schnee beladenen Bäumen gefrieren lassen, so daß diese im Sonnenlicht zauberhaft glitzerten. Hunderte von Wapitis und Bisons waren von den Hochebenen heruntergekommen, um in der Nähe der heißen Quellen, wo der Boden stellenweise schneefrei geblieben war, zu grasen. Und immer in ihrer Nähe waren die grauen Wildhunde, die Kojoten. Ein alter Bisonbulle, den ich schon längere Zeit beobachtet hatte, war durch eine schwere Verletzung am rechten Hinterlauf nicht mehr in Vollbesitz seiner Kräfte. Er kam nur noch mühsam voran. Auf Schritt und Tritt verfolgten ihn die Kojoten. In der darauffolgenden Nacht, in der eine Temperatur von Minus 44 Grad Celsius gemessen wurde, müssen seine letzten Kräfte erloschen sein, denn am nächsten Tag lag er verendet in einer Schneewehe, etwa 100 Meter vom Rand der Parkstraße entfernt. Ein Kojote war gerade dabei, Fleischstücke aus dem Kadaver zu reißen, die er sofort gierig verschlang. Mehrmals vertrieb er einige aufdringliche Kolkraben, die sich am Festmahl beteiligen wollten. Ein plötzlich auftauchender Artgenosse war es dann, der den Kojoten veranlaßte, das Feld zu räumen. Mit einem mächtigen Fleischbrocken verschwand er blitzschnell in einer Gebüschgruppe. Dieses beeindruckende Naturerlebnis, das ich im Bilde festhalten konnte, werde ich niemals vergessen. Rückblickend kann ich feststellen, daß der Wintertrip in den Yellowstone-Nationalpark der absolute Härtetest für mich und meine Fotoausrüstung war. Durch das ständige Hin- und Herspringen des Snowmobiles während der Fahrt, hervorgerufen durch die unebene und stark in Mitleidenschaft gezogene Parkstraße, wurden Fotograf und Fotoausrüstung wie auf einem Rüttelsieb transportiert. Das Stativ und der Flachkopfneiger waren bereits nach wenigen hundert Metern Fahrt von dem Schnee, den das Snowmobile aufwirbelte, zugedeckt und steifgefroren. Bei jedem Fotostopp mußten Stativ, Kamera und Objektiv vom Gepäckträger entfernt und aufgebaut werden. Danach folgte immer wieder das Einpacken und Befestigen und das alles bei 40 Grad unter Null mit steifgefrorenen Fingern. Doch auch bei allen Strapazen die auftraten, „Yellowstone im Winter“ wird bei mir in bester Erinnerung bleiben. Brauchen Sie Infos vom Foto-Profi? Fotos: Jürgen Schiersmann
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